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Info-Talk Betriebe
Immer mehr Betriebe bilden Mädchen in
"untypischen Mädchenberufen" aus und machen damit
sehr gute Erfahrungen.
Wir haben jenen Betrieben, die bereits Mädchen in
"untypischen Mädchenberufen" ausbilden, folgende Fragen
gestellt:
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? (positiv/negativ)
Würden Sie wieder Mädchen einstellen?
Hier ein paar Rückmeldungen:
Wir können uns gut
vorstellen, wieder Mädchen in der Verpackungstechnik
einzustellen. Sie stehen den Burschen in nichts nach.
Rondo Ganahl Aktiengesellschaft
Wir haben bis jetzt 1 Mädchen im Lehrberuf
Kunststoffverarbeitung ausgebildet und 1 Mädchen ist
derzeit noch in Ausbildung.
Beim ersten Mädchen hat es leider von beiden Seiten
nicht gepasst. Der Umgangston der männlichen Kollegen
war ihr etwas zu rauh - allerdings war auch die
Berufswahl seitens des Mädchens nicht sehr passend.
Lehre wurde aber trotzdem abgeschlossen.
Unser weiblicher Lehrling befindet sich nun im 2.
Lehrjahr - sie ist gerade auf die 4jährige Lehre "Kunststofftechnik" umgestiegen und es gibt überhaupt
keine Probleme.
Wenn es sich ergibt, werden wir natürlich wieder
weibliche Lehrlinge ausbilden.
Hager-Kunststoff
Meine Erfahrungen sind größtenteils positiv. Die
Motivation und Zusammenarbeit war sehr erfreulich. Der
Teamgeist hat gestimmt. Es gab auch Erfolge -
Lehrlingswettbewerb - 5.Platz, vorzeitige Gesellenprüfung
mit Auszeichnung. Kleine Nachteile sind das Heben großer
Lasten, was natürlich ist.
Würden Sie wieder………? Ja, warum nicht!
Tischlerei Mangeng
Wir sind von unseren Damen total
begeistert, und bedauern eigentlich nur,
dass sich nicht mehr junge, engagierte Frauen für den
anspruchsvollen Beruf
'Speditionskauffrau' interessieren!
SCHENKER & CO AG
Bei der Auswahl von Lehrlingen spielt für uns das
Geschlecht überhaupt keine Rolle. Mädchen haben
grundsätzlich die gleiche Chance bei uns aufgenommen zu
werden. Auch bei der Arbeit hat sich gezeigt, dass
Mädchen keinesfalls weniger leisten als Burschen.
Auch bei zukünftigen Neueinstellungen werden wir nicht
Burschen den Mädchen bevorzugen oder umgekehrt, sondern
entscheidend sind die Zeugnisse und der persönliche
Eindruck beim Vorstellungsgespräch.
LKH Rankweil
Zu Ihrem Schreiben bezüglich Lehrberufe mit geringem
Frauenanteil möchten wir Sie informieren, dass wir
durchwegs gute Erfahrungen mit Mädchen gemacht haben und
daher immer wieder weibliche Lehrlinge einstellen
würden. Auch das Feedback dieser Mädchen ist einheitlich
positiv.
Hirschmann Automotive GmbH
Im Rahmen der Ausbildung "Metalltechnik" haben
wir mit weiblichen Kandidatinnen sehr gute Erfahrungen
gemacht. Einsatz und Lernbereitschaft, aber auch die
Motivation, in einem von Männern dominierten Umfeld zu
bestehen, ist bei den weiblichen Lehrlingen sehr
ausgeprägt. Wir werden diese Kandidatinnen auch zukünftig gerne berücksichtigen.
Salzmann FORMBLECHTECHNIK GMBH
1. Wir haben mit den von uns ausgebildeten Mädchen
sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht.
Dies war aber unabhängig vom zu erlernenden Beruf,
sondern hing immer mit der Gesamteinstellung zur Arbeit
zusammen. Die positiven Erfahrungen zeigten sich aber
immer im besonderen Interesse an der Ausbildung im
Zusammenhang mit der praktischen Arbeit.
2. Sollte wieder eine Lehrstelle in unserem Unternehmen
frei werden, werden wir auch auf jeden Fall wieder
Mädchen berücksichtigen.
Lorünser Austria GmbH
Wir haben keine speziellen Erfahrungen gemacht. Die
Mädchen sind stark am Aufholen und können so einen
Rückgang der Tischler-Lehrlinge auffangen. Wir würden
wieder ein Mädchen einstellen. Unsere Anforderungen
die wir an die Lehrlinge stellen sind
geschlechtsunabhängig!
Hubert Feldkircher
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit weiblichen
Lehrlingen in technischen Berufen gemacht und würden
jederzeit wieder welche einstellen. Sie mögen zwar nicht
unbedingt die Körperkraft eines Jungen mitbringen, haben
dafür andere wertvolle Eigenschaften und sind im
technischen Bereich oft besonders geschickt und sehr
genau beim Arbeiten.
In diesem Jahr haben wir keinen weiblichen Lehrling
eingestellt, da sich kein Mädchen bei uns beworben hat.
GIKO
VERPACKUNGEN AG
Ich habe mit weiblichen Lehrlingen nur positive
Erfahrungen gemacht und würde jederzeit ein Mädchen
bevorzugen.
Begle Wilfried
Wir sind im Großmaschinen- und Stahlbau tätig und sehen
aufgrund dessen nur eingeschränkte Arbeitsfelder für die
Frauen in der Produktion.
Die zu produzierenden Teile und Komponenten in unserem
Hause sind vorwiegend schwergewichtig und nicht immer
mit Hilfsmitteln wie Hebezeug zu bewegen.
Eine Begutachtung der Arbeitsplätze Vorort, in der
Fertigung, würde diese Problematik verständlicher
darstellen.
Derzeit sind in den Lehrberufen LackiererIn,
KonstrukteurIn und AnlagenelektrikerIn Mädchen in
Ausbildung.
LIEBHERR-Werk Nenzing GmbH
Zur Zeit bilden wir Mädchen in folgenden Lehrberufen
aus:
WerkzeugmechanikerIn, OberflächentechnikerIn,
LagerlogistikerIn
Wir haben bis jetzt noch keine negativen Erfahrungen mit
Mädchen in technischen Lehrberufen gemacht. Wir werden
daher auch in Zukunft Mädchen in diesen Lehrberufen
einstellen, wenn sich geeignete Bewerberinnen bei uns
melden.
MEPLA-ALFIT AG
Seit 30.8.2004 ist Desiree S. als
Gas-Wasser-Zentralheizungsmonteurin bei uns beschäftigt.
Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht. Es gibt
keinerlei Probleme mit ihren männlichen Kollegen. Wir
würden jederzeit wieder Mädchen für die Baustelle
einstellen.
Firma Markus Stolz Markus GmbH
& Co KG
Wir haben bereits mehrere Mechanikerinnen,
Maschinenmechanikerinnen und Konstrukteurinnen
ausgebildet. Unsere Erfahrungen sind überwiegend sehr
positiv. Die Mädchen waren durchwegs sehr engagiert und
haben schulisch wie betrieblich sehr gute Leistungen
gezeigt. Vor allem haben sie das Klima positiv beeinflusst.
Derzeit bilden wir eine Konstrukteurin aus und werden ab
Herbst 2006 wieder eine Maschinenmechanikerin begrüßen
dürfen!
Hilti Aktiengesellschaft,
Zweigniederlassung Thüringen
Wenn die Entscheidung auf Eignung und Neigung aufgebaut
ist, dann sind die Erfahrungen sehr gut (betrieblich
und aus Sicht der Berufsschule) .
Wir sind überzeugt, dass die Technikberufe für Frauen
und für Männer eine Zukunftsperspektive bieten und
"gleichwertig" erlernt werden können.
Wir begrüßen alle Initiativen, die Frauen für Technik
begeistern.
Eine Herausforderung stellt sich mit der anschließenden
Integration in die Fachbereiche. (Hier gibt es noch
wenig gute Erfahrungen.)
Wir beschäftigen inzwischen 18 Mädchen in den Berufen
Zerspanungstechnik, Werkzeugmechanik,
Maschinenmechanik, Kunststofftechnik und Konstruktion
und stellen auch heuer wieder sieben Mädchen ein, die
sich diese technischen Berufe vorstellen können und aus
unserer Sicht geeignet sind.
Julius Blum GmbH-
Beschlägefabrik
Unsere Erfahrung mit Mädchen als Tischlerlehrling ist
positiv. Der Wille zu arbeiten, Genauigkeit u.
Pünktlichkeit sind Eigenschaften, die unter den heutigen
Jugendlichen schwer zu finden sind, egal ob Burschen od.
Mädchen. In unserer Branche sollten sie neben etwas
Muskelkraft auch "Grips" und v. a. viele
Gestaltungsideen mitbringen. Dann steht einer Anstellung
als Lehrling nichts mehr im Wege. Wir würden bei Bedarf
wieder Mädchen einstellen.
Tischlerei Salzmann KEG
Vorteile: Mädchen sind oft handwerklich sehr geschickt
und haben eine rasche Auffassungsgabe, sind gut motiviert
und vor allem sehr gewissenhaft und verlässlich.
Nachteile: körperliches Handicap, manchmal etwas
launisch.
Unser Betrieb würde auch in Zukunft gerne wieder Mädchen
ausbilden.
Spenglerei Ender GmbH & Co KG
Unsere Erfahrungen mit Mädchen im Lehrberuf BäckerIn
sind sehr gut! Unsere Mädchen sind deutlich
zielbewusster, engagierter und lernfreudiger als Buben
in diesem Alter. Somit werden wir wieder Mädchen
einstellen.
Bäckerei Josef Künz
Ich habe zur Zeit meinen ersten weiblichen Lehrling und
kann mich nur positiv darüber äußern. Wobei es weniger
geschlechtsspezifisch ist, sondern es vielmehr um jeden
Lehrling im Einzelnen geht. Ich meine, da spielen
Faktoren wie Interesse, Fleiß, Wille, Pünktlichkeit und
Zuverlässigkeit eine größere Rolle als ob es ein
weiblicher oder männlicher Lehrling ist. Ich würde auch
wieder einen weiblichen Lehrling einstellen, wobei ich
auch der Meinung bin dass (in meinem Fall) der Lehrberuf
Koch/Köchin nicht wirklich ein Lehrberuf mit geringem
Frauenanteil ist. Ich hoffe Ihnen hiermit ein bisschen
weiter geholfen zu haben.
Andreas
Gorbach
Wir machen mit unseren Lehrmädchen durch die Bank
positive Erfahrungen.......aufgeschlossen, lustig,
wissbegierig, freundlich, all die Eigenschaften treffen
zu......darum jederzeit wieder Mädchen...
Gasthaus Mariagrün
Wir haben mit der Einstellung eines weiblichen Lehrlings
im Beruf KFZ-Technik sehr gute Erfahrungen gemacht. Anette
kann mit jedem männlichen Kollegen mithalten und ist bei
unseren Kunden und unseren Mitarbeitern anerkannt und
beliebt. Wir würden wieder ein Mädchen als KFZ-Lehrling
einstellen.
Autohaus Tschann
Unsere Erfahrung ist durchwegs positiv. Nadja ist unser
erster weiblicher Schlosserlehrling und wir sind
durchwegs angenehm überrascht. Sie steht ihren
männlichen Kollegen in nichts nach, packt überall mit an
und hat keinerlei "Frauenallüren". Die praktische Arbeit
ist für sie leicht umzusetzen, allerdings Probleme macht
ihr die Theorie der Berufsschule. Sie steht in allen
Bereichen ihre "Frau" und so gibt es auch mit
ihren
durchwegs männlichen Arbeitskollegen keine
Unstimmigkeiten.
Der Schlosserberuf ist sicher nicht für jedes Mädchen
empfehlenswert, da der Ton oft rauh und die
Arbeitsbedingungen nicht immer leicht sind, doch wenn
eine junge Frau die Arbeit mit ihren Händen schätzt und
keine Angst vor männlicher Übermacht hat, gibt es keinen
Grund dafür, diesen Beruf nicht auch als Mädchen zu
ergreifen.
Wir würden jederzeit wieder Mädchen ausbilden und
hoffen, dass es in Zukunft auf der Baustelle nicht nur
Männer gibt!
Schlosserei und Handel mit
techn. Bedarf
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Richard (KFZ-Techniker)
informiert sich bei seinem Kollegen Gerhard
(Tischler) über dessen Erfahrungen mit seinem neuen
Lehrmädchen:
Richard: "Ich habe gehört, du
bildest neuerdings auch ein Mädchen in deiner
Tischlerei aus. Dass du dich so etwas traust?"
Gerhard: "Ja, warum nicht?"
Richard: "Naja, immerhin bedeutet
das einige Investitionen - eigene Toiletten bauen,
Umkleidemöglichkeiten schaffen usw. - das ist sicher
nicht billig."
Gerhard: "Da muss ich dich
korrigieren, laut Gesetz müssen erst dann getrennte
Toiletten, Wasch- oder Umkleideräume eingerichtet
werden, wenn mindestens fünf Frauen und fünf Männer
beschäftigt werden. In allen anderen Fällen reicht es
aus, wenn für die Möglichkeit der getrennten Benützung
gesorgt ist."
Richard: "Ach so, das habe ich gar
nicht gewusst - aber das ist ja nicht das Einzige, das
dagegen spricht. Stell dir vor, wenn eine meiner
Kundschaften das Auto zur Reparatur bringt und sieht, dass
da ein Mädchen daran herumrepariert - der hat sicher
weniger Vertrauen und fragt sich, ob sie das wirklich
kann."
Gerhard:
"Weißt du, ich denke, dass
Mädchen, die in so genannten "Männerberufen" tätig
sein wollen, schon von vornherein wesentlich mehr Hürden
zu überwinden haben und möglicherweise schon bei der
Auswahl strenger beurteilt werden als Burschen. D.h.,
sie müssen schon gewisse Qualitäten mitbringen, um überhaupt
so weit zu kommen. Zudem gibt es viele typisch weibliche
Berufe, in denen Frauen immer wieder beweisen, dass sie
sehr wohl genau und verantwortungsbewusst
arbeiten."
Richard:
"Aber stell dir vor, das
Mädchen wird schwanger. Dann fällt sie für eine ganze
Weile aus und du hast die Scherereien."
Gerhard: "Natürlich kann das
passieren, nur gehe ich nicht schon von vornherein davon
aus. Burschen müssen auch zum Militär und fallen
dadurch eine Weile aus."
Richard: "Aber du willst doch wohl
nicht behaupten, dass Mädchen auch körperlich gleich
belastbar sind wie Burschen?"
Gerhard:
"Nein, sicher nicht alle,
aber bei etwas Rücksichtnahme ist dieser Nachteil für
mich verkraftbar und wird durch andere Vorteile
aufgewogen. Außerdem denke nur einmal an die
Krankenschwestern oder an die Bäuerinnen - ihnen wird
schon seit jeher schwere körperliche Arbeit zugemutet.
Richard: "Du stehst diesem Thema
sehr positiv gegenüber - nicht wahr?"
Gerhard: "Es kommt halt immer auf
die Sichtweise an. Natürlich ist es vielfach ungewohnt
für alle Beteiligten. Aber ich denke auch an mich und
den Betrieb. Denn ich hab' ja eine weitaus größere
Auswahlmöglichkeit, wenn ich die Einstellung eines
Lehrlings von der Qualität und nicht vom Geschlecht abhängig
mache."
Dieses Gespräch könnte hier sicher noch weiter
gehen! Viele Betriebe haben den Schritt von der Idee zur
Umsetzung bereits gewagt und bilden Mädchen mit großem
Erfolg in "untypischen Mädchenberufen" aus.
© BIFO
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